Besetzungsarchiv der Staatsoper Berlin

Liebe Operninteressierte,

in Ermangelung eines Spielplan-Archivs, so wie es etwa die Wiener Staatsoper vorbildlich pflegt und online zur Verfügung stellt, habe ich hier ein Besetzungsarchiv für die (Deutsche) Staatsoper Berlin (Unter den Linden) eingestellt.

Die dazu nötigen Besetzungszettel habe ich im Musiklesesaal der Deutschen Staatsbibliothek Berlin und im Berliner Landesarchiv eingesehen.

Eingestellt sind bislang alle ermittelbaren Besetzungen zwischen Sommer 1946 und Sommer 1994 sowie die Spielzeit 1944/45 (siehe linke Seitenspalte).

Die Besetzungszettel der Spielzeit 1945/46 und aller Spielzeiten ab Spielzeit 1994/95 sind leider weder im Musiklesesaal der Staatsbibliothek noch im Landesarchiv einsehbar.

Erstmals öffentlich zugänglich sind hier die Spielzeiten zwischen Sommer 1947 und Sommer 1955, diese allerdings bislang nur skizzenhaft (ohne Repertoireübersicht, Rollenzuordnungen, Vornamen und Sängerregister), was sich jedoch noch in diesem Sommer (2022) ändern soll.

 

Jede Spielzeit ist wie folgt eingestellt:

  • Vorwort mit Bezug auf die konkrete Spielzeit
  • Übersicht über das Musiktheaterrepertoire der betreffenden Spielzeit mit allen Daten
  • Chronologie der Spielzeit mit allen Musiktheaterbesetzungen
  • Auflistung der Spielzeitauftritte ausgewählter Sängerinnen und Sänger

Die Vornamen der Solisten und ihre Rollenzuordnung ist immer nur beim ersten Erscheinen des Werkes in der Spielzeit aufgeführt. Die Rollenzuordnung bleibt danach in der Reihenfolge erhalten und kann analog zum Ersttermin, der in der Repertoireübersicht gut zu finden ist, hergestellt werden. Wechselt die Besetzung einer Rolle, ist nicht selten beim ersten Erscheinen des neuen Solisten auch dessen Vorname mit aufgeführt.

Bei den Spielzeiten zwischen Sommer 1946 und Sommer 1956 sind generell immer auch die Vornamen der Solisten mit aufgeführt, die Rollenzuordnung findet sich allerdings auch hier nur beim Ersterscheinen eines Werkes in der Spielzeit (siehe Repertoireübersicht).

Die Aufführungssprache der Oper war bis 1964 grundsätzlich deutsch. Ab 1965 wurden manche Inszenierungen auch in Originalsprache gespielt, mitunter im Wechsel mit deutschsprachigen Aufführungen (bei den Mozart-Opern „Così fan tutte“ und „Don Giovanni“, während im Falle von Mozarts „Figaro“ eine rein originalsprachliche Neuinszenierung im Apollo-Saal erfolgte, während die deutschsprachige Inszenierung im Großen Haus parallel dazu weitergespielt wurde, und zwar häufiger und länger. Ab den 1970er Jahren wurden einige Opern nur noch in italienische Originalsprache gespielt, etwa bei „Aida“ und „Tosca“ (eine geplante deutschsprachige B-Premiere entfiel 1976 kurzfristig). Andere italienische Opern wie „Die sizilianische Vesper“, „Don Carlos“, „Otello“ (als „Othello“!) und „Manon Lescaut“ wurden noch in den 1980er Jahren deutschsprachig neu inszeniert, ebenso liefen damals die französischen, russischen und tschechischen Opern noch in deutscher Sprache.

Es kam immer wieder zu kuriosen Situationen dass einige Solisten in einigen Aufführungen in anderen Sprachen sangen. Im Falle von Verdis „Don Carlos“ waren mal an einem Abend fünf verschiedene Sprachen zu hören.

Erst in den 1990er Jahren setzte sich die Originalsprache endgültig durch. Die letzte deutschsprachige Aufführung einer nichtdeutschen Oper könnte 1995 die „Jenufa“ in der Fischer-Inszenierung gewesen sein, die 1999 originalsprachlich wiederaufgenommen wurde, während die Kirst-Inszenierung von Verdis „La Traviata“ und die legendäre Berghaus-Inszenierung von Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ schon ab 1992 italienischsprachig gespielt wurden.

Leider waren nicht immer alle Besetzungen der zahlreichen Gastspiele der Staatsoper Berlin im In- und Ausland ermittelbar. Ab Mitte der 1980er Jahren war dies allerdings (im Berliner Landesarchiv) zunehmend der Fall.

Bei Youtube befindliche Aufführungsmitschnitte (Audio oder Video) werden von mir bei den jeweiligen Vorstellungen verlinkt.

Und nun viel Vergnügen beim Eintauchen in längst vergangene Opern-Zeiten mit Repertoirebetrieb und einem Ensemble, das etwa in den 1980er Jahren (mit Theo Adam, Siegfried Vogel und Ekkehard Wlaschiha) gleich drei hervorragende Interpreten des Hans Sachs in seinen Reihen hatte und dessen führende Solisten vielgefragte Gäste in aller Welt waren.

Berlin, im Juli 2022

Ivo Zöllner

 

Und hier noch ein hochinteressanter Vortrag von Kammersänger Prof. Siegfried Lorenz über das ehemalige Solistenensemble der Deutschen Staatsoper Berlin, der mich (neben dem 2012 erschienenen Buch „Wagner in der DDR“ von Werner P. Seiferth) maßgeblich dazu inspiriert hat, die Besetzungen der Staatsoper Berlin zu erfassen: